Was ist eigentlich Citrix HDX?

Vor nicht allzu langer Zeit war ich als Besucher auf einer Präsentationsveranstaltung und führte ein paar wirklich gute Gespräche über die aktuellen Citrix XenApp und Citrix XenDesktop Versionen, die Schwierigkeiten bei der Migration auf die aktuellsten Versionen. Unter anderem ging es auch um die altbekannten Buzzwords wie „HDX“, „HDX 3D Pro“, „ICA“, und so weiter. Dabei ist mir aufgefallen, dass da oft ziemlich viele Begrifflichkeiten durcheinander geschmissen werden. Natürlich macht es keinen Sinn während einer Diskussion das zu verbessern und deswegen rumzustänkern, aber da das auch nicht zum ersten Mal passiert ist, habe ich das als Anlass genommen nochmal ein paar Begriffe aufzuarbeiten. Es passiert nämlich sehr schnell, dass man eigentlich das Gleiche meint, aber aufgrund von falscher Benennung aneinander vorbei redet. Das muss ja nicht sein!

Citrix HDX – High Definition Experience

Citrix hat im Jahre 2009, zusammen mit XenDesktop 3.0, “HDX” als neue Marke ins Leben gerufen. „HDX“ steht für „High Definition Experience“ und ist nicht nur der Name für eine bestimmte Technologie. Viel mehr steht „HDX“ für alle Technologien und Produkte aus dem Hause Citrix, die dem User die bestmögliche User Experience bringt. Dahinter verstecken sich dann zunächst drei weitere technische Prinzipien, die Citrix unterscheidet: „bandwidth, application and user interaction optimization goals“. Desweiteren unterteilt Citrix HDX für die Bereiche „Mobility“ und „Virtualization“ derzeit in folgende „Sub-Brands“:

HDX – Broadcast:
„HDX – Broadcast“ steht für den Transport und die Bereitstellung von virtuellen Apps und Desktops. Zum Geltungsbereich von HDX – Broadcast zählen unter anderem die Klassiker wie „Virtual Channels“, „Multi-Level Compression“, „Session Reliability“ oder aber auch alles weitere das mit WAN-Optimierung und Bandbreitenkontrolle zu tun hat. Das dürften viele „Citrix“-Administratoren der ersten Stunde kennen und sich hier auch wohl fühlen. HDX – Broadcast bildet also das Fundament der HDX Idee.

HDX – MediaStream:
„HDX – MediaStream“ baut auf HDX – Broadcast auf und steht für das Multimedia-Erlebnis in der Citrix Welt. So werden unter diesem Begriff zum Beispiel die Streaming-Technologien zusammengefasst, die dafür sorgen, dass Multimedia Dateien vom Server zum Client übertragen, dort dekodiert und auch lokal ausgeführt werden. Das Ganze ist natürlich weiterhin trotzdem nahtlos eingebettet. Beispiele sind hier das „Client Side Content Fetching“ bzw. das „Server side content fetching“.

HDX – RealTime:
Wie auch bei „HDX – MediaStream“ erweitert „HDX – Realtime“ ebenfalls die „HDX – Broadcast“ Funktionalität. Hier geht es aber hauptsächlich, wie der Name schon vermuten lässt, um Technologien, die die Echtzeitkommunikation betreffen.

HDX – Mobile:
Hinter HDX – Mobile versteckt sich meiner Meinung nach größtenteils einfach das „Citrix Mobile SDK for Windows Apps“. Mit diesem SDK bzw. den Techniken dahinter kann man tolle Apps entwickeln, die für die Touch-Bedienung optimiert sind. Habt ihr euch schon einmal „Project Golden Gate“ angeguckt? Das kann ich euch nur empfehlen! 🙂

HDX – Plug-n-Play:
Mit HDX – Plug-n-Play werden alle Technologien zusammengefasst, die Zugriff auf lokale Ressourcen und Geräte ermöglichen. Zum Beispiel also Drucker und USB-Sticks. Gerne vergessen, trotzdem dazugehörig ist aber auch Features „client time zone support“ dazugehörig.

HDX – RichGraphics:
Hinter „HDX – RichGraphics“ versteckt sich das ursprüngliche „HDX – 3D“. Angefangen als „Project Apollo“ über das „Project Prism“ entwickelte sich HDX RIchGraphics zu dem was es heute ist. Dem Überbegriff für alles was mit 2D/3D Grafiken, Adaptiven Displays, HDX 3D Pro und Microsoft Remote FX in der Citrix Welt zu tun hat. Moment mal – HDX 3D Pro? Steht das nicht etwas mehr alleine? Jaein, habe ich auch mal gehört und gesehen, aber in den aktuellsten Citrix Präsentationen (Stand: TEX 2014) wird alles unter HDX – RichGraphics gelistet.

HDX – WAN Optimization:
Das „HDX – WAN Optimization“ beschäftigt sich mit der Komprimierung und Optimierung der Netzwerkverkehrs in Form der Citrix CloudBridge. Die „Key Features“ sind zum Beispiel: „Storage Replication Acceleration“, „Video Caching“ und „Quality of Service“.

HDX – IntelliCache:
Mit „HDX – IntelliCache“ verhält es sich etwas merkwürdig. Jeder, der einen XenServer betreibt, kennt vermutlich dieses Feature. In den ersten Präsentationen tauchte dieser Punkt auch zuverlässig auf. Heute ist das nicht mehr zu lesen. Stattdessen ist jetzt „WAN Optimization“ aufgetaucht. Ich vermute, dass IntelliCache einfach als Unterpunkt da hinein gewandert ist. Verifizieren konnte ich diesen Gedanken aber nicht. Wenn man sich anguckt was dahinter steckt, nämlich hauptsächlich Caching- und Komprimierungsfeatures, würde das sogar Sinn machen. Wie auch immer – den XenServer wollt ihr heute ja hoffentlich eh nicht mehr benutzen (Ausnahme ihr benötigt HDX 3D Pro), sondern Hyper-V und somit ist das Feature „IntelliCache“ auch egal. 🙂

HDX – SoC:
„SoC“ steht ganz einfach für „System on a Chip“ und somit dürfte euch eigentlich auch schon klar sein, dass sich Citrix „HDX – SoC“ für den Bereich ThinClients ausgedacht hat. Die sich dahinter verbergende Technologie wurde von Citrix dafür entwickelt, dass sie „embedded“ auf einem Chip läuft. Mit Hilfe dieser Technologie werden also die Thin- bzw. ZeroClients der üblichen Hersteller entwickelt und produziert. Ein sehr interessantes Thema, in das es sich einzusteigen lohnt!

HDX – Adaptive Orchestration:
„HDX – Adaptive Orchestration“ beschreibt das Konzept, dass die “beste User Experience” aus Basis von Server, Netzwerkverbindung und Client liefern soll. Natürlich schließt das auch das nahtlose Zusammenspiel aller HDX Komponenten mit ein. Wenn „HDX – Broadcast“ das Fundament der HDX Idee darstellt, so ist „HDX – Adaptive Orchestration“ wohl der Deckel, der auf den anderen Teilen oben aufsetzt und alles so zusammensetzt, so dass ein „rundes“ Benutzererlebnis dabei heraus kommt.

Wie jetzt? Da fehlt doch noch etwas! – Natürlich gibt es auch noch weitere „HDX“-Themen, die Citrix gerne propagiert, aber mit den Buzzwords „Insight“, „SmartAccess“, etc. wollen wir uns heute nicht mehr beschäftigen.

Ist ICA gleich HDX?

Nachdem ihr den ersten Abschnitt ja bereits aufmerksam verfolgt habt, könnt ihr das natürlich mit einem klaren „Nein!“ beantworten. ICA ist nach wie vor ein wichtiges, grundlegendes Protokoll auf der Präsentationsschicht (OSI Layer 6). HDX geht aber noch einen Schritt weiter und hat das Ziel das Benutzererlebnis über sämtliche Layer hinweg, sowohl auf dem Client als auch im Netzwerk sowie auf dem Server selber, zu verbessern. HDX ist eine Ansammlung von verschiedenen Technologien auf den beschriebenen Ebenen und bedient sich teilweise des ICA-Protokolls, aber auch Microsofts RemoteFX.

Print Friendly, PDF & Email
0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.